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1.12. das erste T├╝rchen


Der Geiger


Ein junger Musiker war an mich empfohlen, er war Geiger bei einer Kapelle. Es war nur wenige Wochen vor Weihnachten , als er nach Riga gekommen war. Er stand vor mir, noch fast ein Knabe, es war sein erster Ausflug in die Welt. Freunde von mir, die sich f├╝r seine Ausbildung interessierten, schrieben, dass ich mich seiner annehmen sollte. Es war ein sch├Ânes, dunkles Knabengesicht, in das ich schaute, als er vor mir stand, mit wunderbaren Augen, die mich halb trotzig, halb ├Ąngstlich ansahen. Halb trotzig , halb ├Ąngstlich war auch sein ganzes Wesen. Er wollte so gern den K├╝nstler markieren, der seinen hohen Flug beginnt. Aber hinter der wallenden K├╝nstlerm├Ąhne und den etwas flotten Worten f├╝hlte ich ein ├Ąngstlich schlagendes Knabenherz. Es war etwas an ihm, das einem Lust machte, ihn an die Hand zu fassen, sachte mit m├╝tterlicher Hand ├╝ber seine K├╝nstlerm├Ąhne zu streichen und ihm ganz einfach zu sagen: "Komm nur, du sollst bei mir ein St├╝ck Heimat finden.


Er kam fast t├Ąglich zu mir, denn sein Leben bedr├╝ckte und be├Ąngstigte ihn. Es war so viel Unreifes in ihm, soviel Ahnungslosigkeit von dem, worauf es im Leben ankam. Er war noch wie ein gro├čes Kind. In den ersten Tagen vertraute er mir sofort eine ungl├╝ckliche "Lebensliebe" an, die ihn aus Deutschland in die Fremde getrieben hatte, und an der er zugrunde zu gehen schwor. Als ich es wagte, die Sache nicht gar zu tragisch zu nehmen, war er beleidigt und kam tagelang nicht zu mir, und es dauerte lange, bis ich ihn vers├Âhnt hatte. Und nun kam Weihnachten heran. Er hatte den ganzen Tag frei und kam schon fr├╝h am Morgen zu mir. Ich ├╝bergab ihm den Schmuck des Weihnachtsbaumes, er half beim Backen in der K├╝che. Bei all den Vorbereitungen hatte er bald sein stolzes K├╝nstlertum vergessen, das er sonst wie einen Mantel umgeh├Ąngt hatte. Mit gl├╝hendem Eifer lief er durch die Zimmer, lie├č sich noch auf letzte vergessene Besorgung schicken, kam mit hochroten Wangen und erfrorenen H├Ąnden wieder heim, lief immer hinter mir drein, um mir zu versichern, es sei ein wundersch├Âner Tag.
Meine alte Tante, die bei mir lebte, war ganz begl├╝ckt ├╝ber das helle, frohe Knabenlachen, das durch die Zimmer klang. Als wir um den Mittagstisch sa├čen, erkl├Ąrte ich, bis halb sechs m├╝ssten die Vorbereitungen beendet sein, denn dann ziehen wir alle in die Kirche zum Festgottesdienst. "Ich gehe nicht in die Kirche", sagte er wichtig, indem er den Kopf zur├╝ckwarf, "ich halte nichts davon, au├čerdem bin ich katholisch, ich mag nicht die lutherischen Gottesdienste."
"Haben Sie schon einen mitgemacht?" fragte ich, "kennen Sie unsere Festgottesdienste?" Er schlug verlegen die Augen nieder. "Nein", sagte er ein wenig kleinlaut. "Nun, dann probieren Sie es doch einmal", meinte ich freundlich. Um halb sechs stand er fertig ger├╝stet vor mir. "Wenn Sie mich mitnehmen", sagte er leise, "m├Âchte ich wohl gern in die Kirche mit Ihnen.


Als wir in unserem alten Dom standen, den die Gemeinde dicht gedr├Ąngt Kopf an Kopf f├╝llte, wurde es still. Es war ein liturgischer Gottesdienst; wunderbarer Chorgesang klang durch den Raum. Dazwischen verlas der Pastor die Weihnachtsgeschichte, und wir sangen Weihnachtslieder. Auf dem Altar standen die riesengro├čen Tannenb├Ąume voll Lichterglanz. Ich streifte heimlich meinen Nachbarn mit den Blicken, er hatte sich ganz vergessen, sich, seinen Katholizismus, seinen Widerspruch und seinen Trotz. Versunken stand er neben mir, mit dem Blick auf die Weihnachtsb├Ąume, verloren in der Weihe der Stunde, mit einem wundersch├Ânen Ausdruck in seinen gro├čen, strahlenden Augen. Als zum Schluss der Chorgesang leise erklang: "Stille Nacht, heilige Nacht!", da sah ich, wie seine Lippen bebten. Ich hatte einen gro├čen Strau├č Fr├╝hlingsblumen bei mir, der zu einer Kranken gebracht werden sollte. Wir gingen zusammen bis vor die T├╝r der Kranken, dann bat ich ihn, hineinzugehen und ihr den Strau├č zu bringen. "Aber geben Sie ihn selbst in ihre H├Ąnde", sagte ich. Es dauerte lange, bis er wieder zu mir trat. "Nun?" fragte ich. Er konnte zuerst nicht reden. "Ich war bei der Kranken", sagte er endlich bewegt, "und gab ihr den Strau├č. Sie hat mich gar nicht gefragt, wer ich sei, von wo ich k├Ąme, sie hat sich nur gefreut." Schweigend wanderten wir durch die verschneiten Stra├čen meiner Wohnung zu. Heller Lichterglanz schien auf unserem Wege, und in den H├Ąusern z├╝ndete man schon die Weihnachtsb├Ąume an. Mein Gef├Ąhrte schwieg. "Welch ein merkw├╝rdiger Tag", sagte er pl├Âtzlich, "mir ist`s, als ob es wirklich Frieden auf Erden w├Ąre.


Und nun kam auch bei uns die Stunde des Bescherens. Meine alte Tante und mein Sch├╝tzling waren "die Kinder", die hinter der T├╝r harren mussten, bis das Zeichen zum Herankommen erklang. Und dann ├Âffnete sich die T├╝r und wir sangen: "Von Himmel hoch, da komm ich her!", und unser Junge bekam seine Geschenke, die ihn in einen Freudenrausch versetzten. Nach dem Abendessen sa├čen wir im Weihnachtszimmer, es duftete nach Tannen, nach Wachs und all den Fr├╝hlingsblumen, die das Zimmer f├╝llten. Da ging ihm das Herz auf, und er erz├Ąhlte von "zu Hause", ein trostloses, ├Âdes Bild entwarf er uns. Streit zwischen den Eltern, keine Liebe, kein Verstehen; im erbitterten Kampf ums Dasein war in ihrem Hause alle Liebe4 erloschen und mit der Liebe die Freude. Wir h├Ârten still zu, als sich so Bild auf Bild vor unseren Augen entrollte von seinem Leben, in dem die Sonne gefehlt hatte, und dessen Alltag von keinem Glanz durchstrahlt war. Nun schwieg er. "Armes Kind!" sagte ich unwillk├╝rlich, das Schweigen brechend. Da b├╝ckte er sich tief und barg sein Gesicht aufschluchzend in seine H├Ąnde. Es war ganz still im Zimmer. Man h├Ârte nur das Knistern eines brennenden kleinen Tannenzweiges, der einem Lichtlein zu nahe gekommen war, und das Schluchzen, das aus seiner jungen Seele brach. Dann lie├č er die H├Ąnde herabsinken und hob sein tr├Ąnen├╝berstr├Âmtes Gesicht empor. "Ich habe noch nie ein Weihnachtsfest gehabt", sagte er, "jetzt wei├č ich es, dieses war mein erstes Weihnachtsfest.

Autor: Monika Hunnius



Das 2. T├╝rchen


Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird.
Und lauscht hinaus: den wei├čen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit
und wehrt dem Wind und w├Ąchst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

(Rainer Maria Rilke)









T├╝rchen Nummer 3





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